A Toast to Most
Ein Hoch auf Konrad Most, den Pionier der Hundeausbildung aus dem Jahr 1910
Kurz nach der Jahrhundertwende und 28 Jahre vor der Veröffentlichung von "The behaviour of Organisms" (Skinner, 1938), beschäftigte sich ein herausragender Hundetrainer in Deutschland damit, die Grundlagen im Verhalten von Hunen zu erkennen und zu beschreiben. Diese Erkenntnisse sollten bei der Ausbildung von Diensthunden angewendet werden. Oberst Konrad Most, ein Polizeikommissar des Königlich Preussischen Regiments, hat in seinem Buch "Hunde ausbilden und trainieren" zahlreiche Schlüsselkonzepte Skinners vorweggenommen. Als Pionier im Training von Tieren zeigte Most ein Verständnis für die Schlüsselelemente der Operanten Konditionierung einschließlich primärer und sekundärer Verstärkung, Löschung, Shaping, Fading, Verhaltensketten und negativer Konditionierung (Bestrafung).
Most begann im Jahr 1906 als Polizeikommissar in Saarbrücken mit der Ausbildung von Polizeihunden. "Hunde ausbilden" (Most, 19010/1954) wird immer noch als ein Standardwerk auf dem Gebiet der Hundeausbildung in ganz Europa anerkannt. Obwohl viele der Begriffe, die Most in seinem Buch verwendet, sich von denen unterscheiden, die in "The behaviour of Organisms" vorgestellt wurden, sind die Konzepte und Regeln, die er beschreibt, die gleichen. Most bewies bereits ein klares Verständnis der Gesetze von Verhaltensveränderungen und erteilte Ratschläge zum Trainieren von Hunden, die Verstärkung, Bestrafung und Absicherung durch Generalisierung beinhalteten.
Most beschrieb Verstärkung (Belobigung, S. 27) als eine angenehme Erfahrung, die der Hund erhält, wenn er ein korrektes Verhalten gezeigt hat. Belobigungen sollten im Training verwendet werden immer sofort, wenn der Huind das erwünschte Verhalten gezeigt hat als regelmässige Folge diesen Verhaltens. Beim Erlernen neuen Verhaltens war sich Most über den Vorgang des Shapens im Klaren: der kleinste Fortschritt in Richtung des erwünschten Verhaltens sollte verstärkt werden, nicht nur durch den Gebrauch von Worten wie "brav", sondern durch Streicheln. Most unterschied genau wie Skinner primäre und sekundäre Verstärker. Für Most bedeuteten Futter und Streicheln primäre Verstärker, z.B. Loben mit Worten und sanfte Töne, wurden als sekundäre Belobigungen bezeichnet. Gemäß Most wei? ein erfolgreicher Hundetrainer, dass allein mit sekundären Verstärkern ein dauerhaftes und zuverlässiges Verhalten beim Tier nicht erreicht werden kann. Ab und zu muss der Ausbilder auf primäre Verstärker zurück greifen. Most bezeichnete es als vorrangiges Ziel des Trainings die Möglichkeit zu schaffen, Gebrauchshunde nur mit Hör- und Sichtzeichen (z.B. Handsignale) zu lenken, als die geringsten noch möglichen Signalreize. Damit hat er bereits ein Verständnis der Konzepte des Fadings bewiesen.
Most war sich sogar schon des Problems der Löschung bewußt. In einer realen Umgebung wie im Polizeidienst ist es erforderlich, dass Hunde viele verschiedene Aufgaben leisten, wobei Verstärkung nur unregelmässig stattfindet. Hunde, die die Umgebung nach vermissten Personen absuchen, verlieren das Interesse an dieser Aufgabe, wenn sie allzu häufig vergeblich suchen. Most empfahl, dass Verstärker gesetzt werden sollen, um Löschung zu vermeiden. Desweiteren, um sicher zu stellen, dass Hunde auch in einer realen Umgebung ihre Aufgabe erfüllen, empfahl Most eine Vielzahl von ablenkenden Reizen während des Trainings einzusetzen. Damit zeigt sich, dass Most das Problem der Signalkontrolle erkannte.
Bestrafung wurde von Most bezeichnet als eine primär unangenehme Einwirkung (z.B. Rucks am Erziehungshalsband) oder als eine sekundär unangenehme Einwirkung (z.B. Töne wie Baah wurden von Most eingesetzt um dem Hund anzuzeigen, dass er sich nicht korrekt verhält). Trainer wurden auf die Bedeutung des richtigen Timings beim Einsatz von Strafe hingewiesen. Wenn die in Frage stellende Einwirkung zeitlich und räumlich abgetrennt verläuft, wird es sich als unmöglich erweisen, die erforderliche Verknüpfung zu erreichen.
Der Text von Most ist außerhalb von Europa unbekannt (er wurde 1954 ins englische übersetzt) und es erscheint kaum möglich, dass Skinner durch diese Veröffentlichung beeinflusst wurde. Trotzdem ist es erforderlich, sich klar zu machen, dass Skinner mit seinen Erkenntnissen über die Zusammenhänge von Verhalten und dessen Konsequenzen nicht alleine war. Die Arbeit von Most ist deshalb wichtig, weil er einer der ersten war, der Zusammenhänge im Trainings erkannte, in Worte fasste und sie außerdem in die Praxis umsetzte, anwandte und in ein funktionierendes Gesamtkonzept einbaute. Während Most sich damit zufrieden gab, seine Methoden in der Hundeausbildung einzusetzen, bestand der Beitrag von Skinner darin, menschliches Verhalten zu erklären und die Vorgaben zu liefern für das, was wir heute als Funktionale Verhaltensanalyse bezeichnen.